Wintersportsaison 2019/2020

Denise Herrmann und Markus Eisenbichler sind die größten Hoffnungsträger

Von Olympia-Bronze mit der Langlaufstaffel bis zum WM-Gold im Biathlon dauerte es gerade einmal fünf Jahre. 2014 bei den Winterspielen im russischen Sotschi belegte die heute 30-jährige Denise Herrmann den dritten Platz mit dem deutschen Quartett, zwei Jahre später wechselte sie ins Lager der Skijäger. 2019 dann der große Triumph in der neuen Sportart: Bei der Biathlon-WM wurde sie Weltmeisterin in der Verfolgung. „Es war ein unbeschreiblich schöner Moment, dieses Gefühl zu erleben und ganz oben zu stehen“, sagte sie später. „Ein Moment, der mir auch gezeigt hat, dass alles möglich ist, wenn man an sich glaubt und seinen Träumen folgt.“

Schießen als größte Herausforderung

Dabei hatte es Denise Herrmann nach ihrem Wechsel zu den Skijägerinnen nicht immer leicht. „Meine erste Saison als Biathletin war eine komplett neue Erfahrung, aber zugleich auch Motivation, die Abläufe aus Laufen und Schießen noch besser zu erlernen und zu verbinden.“ Wie bei anderen ehemaligen Langläuferinnen auch, stellte das Schießen die größte Herausforderung dar. Dennoch durfte die „Quereinsteigerin” gleich in ihrer ersten Saison Weltcup-Luft schnuppern und zehn Rennen bestreiten. „In besonderer Erinnerung geblieben ist mir – neben meinem ersten Weltcuprennen in Pokljuka – der Sieg mit der Staffel beim Weltcup in PyeongChang.“

Erstmals allein ganz oben auf dem Siegerpodest stand sie im Olympia-Winter: Gleich beim Auftakt siegte sie in Östersund (Schweden) im Sprint und in der Verfolgung. Und auch wenn es in PyeongChang noch nichts mit der erhofften Medaille wurde, konnte sie mit Platz sechs in der Verfolgung dennoch ein positives Fazit ziehen.

Erstes Edelmetall als Biathletin

Davon beflügelt drehte Denise Herrmann im vergangenen Winter so richtig auf. Nach einem etwas holprigen Start wurde es mit Beginn des neuen Jahres von Rennen zu Rennen besser. Dem Staffelsieg im kanadischen Canmore folgte der dritte Weltcupsieg in Salt Lake City (USA). Denise Herrmann: „Die perfekte Motivation und Vorbereitung für die WM in Östersund.“ Gleich im ersten Wettkampf sprang mit der Mixed-Staffel die Silbermedaille heraus: „Meine erste Medaille als Biathletin. Was dann folgte, war einfach nur genial.“

Nach WM-Gold in der Verfolgung gab’s zum WM-Abschluss noch Bronze im Massenstart. Denise Herrmann verließ Schweden als erfolgreichste deutsche Teilnehmerin. Und – nach dem Rücktritt von Laura Dahlmeier – als Hoffnungsträgerin für eine weiterhin erfolgreiche Biathlon-Zukunft in Deutschland.

Weltmeister „ohne Vorwarnung”

Markus Eisenbichler gelang bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld das Kunststück, Weltmeister auf der Großschanze zu werden, ohne zuvor einen Weltcup-Sieg errungen zu haben. Nach dem ersten Durchgang lag er mit einem Rückstand von 1,2 Punkten auf den Schweizer Killian Peier auf Rang zwei. Doch mit einem Satz auf 135,5 Meter – dem weitesten Sprung des Tages – sicherte sich Eisenbichler auf der Bergisel-Schanze von Innsbruck den Titel. „Ich bin überglücklich. Ich fühle einfach nur Adrenalin und bin am zittern“, rang der 28-jährige anschließend nach Worten.

Hochrangige Auszeichnungen

Doch damit war die „Flugshow“ des Markus Eisenbichler noch nicht beendet. Mit Karl Geiger, Richard Freitag und Stephan Leyhe holte er auch noch den Weltmeistertitel im Mannschaftsspringen. Und im Mixed-Team-Wettbewerb siegte er zusammen mit Katharina Althaus, Juliane Seyfarth

und Karl Geiger. Obendrein wurde der dreimalige Weltmeister und Vierschanzentournee-Zweite des vergangenen Winters als „Skisportler des Jahres“ ausgezeichnet.

Fast noch mehr freute sich Eisenbichler über die Auszeichnung, die ihm im September zuteil wurde. Rund 4.000 von der Stiftung Deutsche Sporthilfe geförderte Athleten kürten ihn in einem exklusiven Online-Voting zum „Besten 2019“.

Karriere hing bereits am seidenen Faden

Markus Eisenbichlers Reaktion auf seiner Facebook-Seite: „Vielen Dank an alle Athleten, die mich gewählt haben. Ich bin wirklich überwältigt und sehr dankbar für diesen Preis.“ Gleichzeitig sprach er der einstigen Bahnrad-Sprinterin Kristina Vogel – seiner inzwischen querschnittsgelähmten Vorgängerin – seinen Dank für eine bewegende Laudatio aus. Der Bundespolizist weiß, wovon er spricht: Im September 2012 stürzte Eisenbichler im Training in Oberstdorf schwer und zog sich einen Brustwirbelbruch zu. Seine Karriere hing am seidenen Faden. Nur sein unbändiger Wille und sein enormer Trainingsfleiß ermöglichten seine Rückkehr.

Ach ja – die Sache mit dem fehlenden Weltcup-Erfolg ist mittlerweile auch erledigt. Im März dieses Jahres gewann er beim Skifliegen in Planica (Slowenien) seinen ersten Einzelwettbewerb.