Heizungsanlagen vor Korrosion und Steinbildung schützen

Neue VDI-Richtlinie 2035

Heizungswasser muss in heutigen Anlagen genau festgelegte Eigenschaften aufweisen, will man nicht die Effizienz einbüßen oder gar einen Ausfall riskieren. Grundlage dafür sind Blatt 1 und Blatt 2 der VDI-Richtlinie 2035 "Vermeidung von Schäden in Warmwasser-Heizungsanlagen". Nach 14 Jahren wurde dieses Regelwerk jetzt gründlich überarbeitet und wird in neuer Fassung im Frühjahr 2020 erscheinen. Im Folgenden erfahren Sie schon jetzt alle relevanten Details über die damit verbundenen Neuerungen. 

Aus zwei wird eins

Die bisher getrennt behandelten Themen "Steinbildung" und "wasserseitige Korrosion" werden nun in einer Richtlinie zusammengefasst. Das hat eine deutlich bessere Übersichtlichkeit zur Folge, insbesondere auch bei den Tabellen. Die Richtlinie ist damit in der Praxis sehr viel einfacher zu handhaben. 

Angepasste Richtwerte

Die Richtwerte zur Wasserhärte und zum spezifischen Anlagenvolumen (in l/kW) werden an die Praxis angepasst. So ist zum Beispiel ab einem spezifischen Anlagenvolumen über 40 l/kW (bislang über 50 l/kW) das Füll- und Ergänzungswasser aufzubereiten. Da heute viele Anlagen mit einem Heizwasser-Pufferspeicher ausgerüstet werden, liegt dadurch das spezifische Anlagenvolumen oftmals über den Richtwerten und eine Enthärtung ist erforderlich. 

Spezifischer Wasserinhalt berücksichtigt

Bei Kleinanlagen (< 50 kW) wird bezüglich der Härteanforderungen an das Füll- und Ergänzungswasser jetzt direkt in der Richtwertetabelle der spezifische Wasserinhalt des Wärmeerzeugers berücksichtigt. Dadurch wird unmittelbar klar, dass es für moderne, hocheffiziente Wärmeerzeuger mit einem spezifischen Wasserinhalt < 0,3 l/kW (z. B. Umlaufwasserheizer) höhere Anforderungen gibt und bei Überschreitung des Richtwerts eine Enthärtung des Füll- und Ergänzungswassers erforderlich ist. 

Enthärten oder Entsalzen?

In der überarbeiteten Richtlinie wird eine Klarstellung zum Thema "Enthärten oder Entsalzen?" vorgenommen:

  • Die Enthärtung des Füll- und Ergänzungswassers ist bei Heizungsanlagen ohne Komponenten aus Aluminiumlegierungen ausreichend.
  • Die Entsalzung ist dann zu bevorzugen, wenn Anlagenkomponenten Aluminiumlegierungen enthalten.

In sehr vielen Fällen entscheidet das Material des Wärmetauschers über die Art der Wasseraufbereitung. Da Viessmann in den Heizkesseln Wärmetauscher aus Edelstahl verwendet, genügt die kostengünstigere Enthärtung. Eine Enthärtung des Wassers bietet zudem den Vorteil, dass die Pufferkapazität des Heizwassers im Hinblick auf den pH-Wert erhalten bleibt und das Wasser bei unvorhergesehenen Qualitätsbeeinträchtigungen wesentlich toleranter ist.

Engere Toleranzen bei Aluminium

In die Richtwertetabelle aufgenommen wurden die unterschiedlichen Vorgaben für den pH-Wert des Heizungswassers in Anlagen mit (8,2 - 9,0) und ohne Aluminiumlegierungen (8,2 - 10,0). Dies zeigt, dass bei Aluminiumlegierungen generell ein engerer pH-Wert-Bereich eingehalten werden muss, da bei ihnen im alkalischen Bereich mit pH-Werten über 9,0 auch ohne Anwesenheit von Sauerstoff Korrosionsschäden auftreten können. 

Vermeidung von Korrosion

Die wenig praxistaugliche Vorgabe des Sauerstoffgehalts im Heizwasser wird es in der überarbeiteten VDI 2035 nicht mehr geben, weil man ihn vor Ort nicht so einfach messen kann. Dennoch ist es zur Vermeidung von Korrosionsschäden nach wie vor wichtig, dass es zu keinem relevanten Sauerstoffeintrag in die Anlagen kommt. Sie müssen also korrosionstechnisch geschlossen sein, und es ist eine korrekte Druckhaltung zu gewährleisten. 

Einbau eines Wasserzählers

Ebenfalls wichtig ist der Einbau von Wasserzählern in allen Anlagen. Der Wasserzähler erfasst die gesamten Füll- und Ergänzungswassermengen, die sich so einfach dokumentieren lassen. 

Unterstützung für Fachpartner

Viessmann unterstützt Sie bei der praktischen Anwendung der neuen Regeln. So stehen Einsäulenanlagen für die Heizwasserenthärtung bzw. -vollentsalzung sowie umfangreiches Zubehör für die Wasseraufbereitung zur Verfügung. Damit Sie auf die neuen Anforderungen der VDI 2035 angemessen reagieren können, wird dieses Portfolio im kommenden Jahr erweitert. 

Die erforderlichen theoretischen und praktischen Kenntnisse und Fertigkeiten, die zur Wasserenthärtung oder -entsalzung benötigt werden, können Sie sich schnell und einfach aneignen – in einem Fachseminar der Viessmann Akademie sowie in den Verkaufsniederlassungen. Besuchen Sie auch den neuen Viessmann Lernraum (www.viessmann.de/lernraum). Hier finden Sie weitere E-Learningangebote und eine Übersicht über alle Veranstaltungen zum Thema.


Dezember 2019

 1

Heizungswasser muss Eigenschaften aufweisen, die in der VDI 2035 definiert sind.

 2

Einsäulenanlage zur Heizwasserenthärtung- bzw. Vollentsalzung. 

 3

Über 70 Gramm, das ist die Menge Kalk, die im Füllvolumen einer durchschnittlichen Heizungsanlage (200 Liter Wasser mit 20° dH) gelöst ist.